Bekannte, unbekannte und vergessene Naturdenkmale der SaarLandschaft

Mit knapp 2.600 m² ist das Saarland zwar das kleinste unter den Flächenländern Deutschlands, dennoch besitzt es ein überaus abwechslungsreiche und vielgestaltigen Landschaftsbild. Dabei wechseln sich offene Kulturlandschaft mit lichten Laubmischwäldern, mittelgebirgsartigen Höhen und tief eingeschnittenen Fluss- und Bachtälern ab.

Das Saarland verfügt über drei „Nationale Naturlandschaften“, die insgesamt circa 60 Prozent der Landesfläche umfassen. Dazu zählen das UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau sowie die saarländischen Teile des Naturparks Saar-Hunsrück und des Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Zusätzlich gibt im Saarland über 100 Naturschutzgebiete sowie zahlreiche Landschaftsschutzgebiete, Naturwaldzellen und geschütze Landschaftsbestandteile.

In Sachen Naturschutz und vor allem im Bereich naturnaher Erholung hat das Saarland also einiges zu bieten. Längst hat sich herumgesprochen, dass das Saarland nicht nur ein besonderes Kultur- sondern auch ein herausragendes Naturerlebnisland ist.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit, das beliebteste Fotomotiv und das wahrscheinlich meistbesuchte Ausflugsziel ist dabei sicherlich die Große Saarschleife im Nordwesten des Saarlandes. Als nationaler Geotop, eingebettet in das Naturschutzgebiet „Steilhänge der Saar“, konnte sie sich den zweiten Platz bei der Wahl zu Deutschlands Naturwunder 2018 sichern. Allein der Baumwipfelpfad an der Cloef bei Orscholz, von dessem 42 Meter hohen Aussichtsturm man den zur Zeit spektakulärsten Blick auf die Saarschleife genießen kann, zieht alljährlich über 200.000 Besucher an.

Im Südosten des Saarlandes bietet der Bliesgau mit seinen von sanften Hügeln, Feldern, Streuobstwiesen und Auenlandschaften eingerahmten alten Bauerndörfern einen Kontrast zu den tiefen und felsigen Kerbtälern der Saarschleife. Die über jahrhunderte vom Menschen geprägte Kulturlandschaft wird auch "die Toskana des Saarlands" genannt. Der Bliesgau ist eines von 15 deutschen UNESCO-Biosphärenreservaten und eine bedeutende Orchideenregion.

Echte Wildnis findet man nicht nur im Norden des Saarlandes, sondern auch in unmittelbarer Nähe der Landeshauptstadt Saarbrücken. Es sind die großflächigen Waldschutzgebiete des "Urwalds vor den Toren der Stadt" und des Nationalparks Hunsrück Hochwald. Hier wird größtenteils auf die wirtschaftliche Nutzung des Waldes verzichtet, so dass sich die Natur ohne den Eingriff des Menschen frei entwickeln kann. Langfristiges Ziel ist die Schaffung ursprünglicher, naturnaher und wilder Wälder, die mit ihrem hohen Alt- und Totholzvorkommen einen wertvollen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten.

Zusätzlich zu diesen längst auch touristisch erschlossenen Attraktionen gibt es noch eine unglaubliche Fülle an weniger spektakulären, eher unbekannten und vielfach auch unbeachteten Naturschönheiten. Dabei wären selbst Einheimische überrascht, wenn sie wüssten, welche ungehobenen Naturschätze sich in diesem "so felsig waldigen Lande" und seiner näheren Umgebung verstecken.

Im Saarland gibt es nach aktuellem Stand etwa 400 offiziell ausgewiesene Naturdenkmale. Das sind überwiegend Bäume oder geologische Formationen wie Felsen, Höhlen oder Steinmeere, die wegen ihrer "Seltenheit, Eigenart oder Schönheit" unter besonderen staatlichen Schutz gestellt wurden. Für das relativ kleine Saarland ist das eine überraschend große Zahl. Viele alte Naturdenkmale wie zum Beispiel Grenz-, Gedenk- oder Hutebäume zeugen von der Entwicklung von Land und Landschaft und sind daher auch gleichzeitig Kulturdenkmale. Mehrere hundert Millionen Jahre alte geologische Naturdenkmale geben einen Einblick in die Erdgeschichte.

Dabei ist der größte Teil der seit 1935 durch das damalige Reichsnaturschutzgesetz auf dem Gebiet des Saarlandes geschützten Naturdenkmale inzwischen entweder vollständig verschwunden oder wird aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr in den offiziellen Listen geführt. Doch damit nicht genug, neben diesen dokumentierten Naturdenkmalen kann der aufmerksame Beobachter noch viele weitere interessante Geotope und alte markante Bäume in der saarländischen Landschaft finden.

Zu den regionalgeschichtlich bedeutsamen und als Naturdenkmal geschützen Bäumen im Saarland zählen und zählten zum Beispiel:

  • Die alten "Unnereichen" und insbesondere die große "Richteiche" auf dem Gelände des Hofguts Sankt Gangolf an der Saarschleife.
  • Die knorrige Schiedseiche bei Obersalbach-Kurhof, auch Zigeunereiche genannt, einer der ältesten Bäume des Saarlandes.
  • Die alten Buchen bei Leitersweiler, die erstmals schon zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges erwähnt wurden.
  • Die schon gefällte "Biereiche" im Kammerforst bei Merzig, Namenspatronin des seit 1956 jährlich am 1. April stattfindenden Biereichenfests, das auf einen Aprilscherz der Saarbrücker Zeitung zurückgeht.
  • Die ehemalige Dörrenbacher Rundbuche, unter deren weitausladender Krone viele Jahre lang das Dörrenbacher Buchenfest stattfand.
  • Die inzwischen abgestorbene "Dicke Eiche" bei Kleinottweiler, welche bereits im 16. Jahrhundert vom Kartografen Tilemann Stella als Grenzbaum erwähnt wurde.

Neben der Großen Saarschleife, welche nationaler Geotop und nicht "nur" Naturdenkmal ist, zählen zu den bekanntesten geologischen Naturdenkmalen des Saarlandes:

  • Die Schlossberghöhlen in Homburg, die größten Buntsandsteinhöhlen Europas die eigentlich ein Bergwerk und somit nicht natürlichen Ursprungs sind.
  • Der "Brennende Berg" bei Dudweiler, ein in Brand geratenes Kohleflöz das schon von Goethe in seinem Werk "Dichtung & Wahrheit" Erwähnung fand.
  • Die Tropfsteinhöhle in Niedaltdorf, eine geologische Rarität und die einzige bekannte Kalktuffhöhle im Saarland.
  • Das quarzitische Konglomerat "Steinrutsch" bei Eppelborn-Dirmingen, das bedeutendste geologische Naturdenkmal des Landkreises Neunkirchen.
  • Der "Graue Stein" auf dem Litermont bei Düppenweiler, ein großer Felsen vulkanischen Ursprungs, der laut einer alten Sage schon keltischen Druiden als Kultstätte diente.
  • Die Felsenwege im Stiftswald nahe dem Saarbrücker Stadtteil Sankt Arnual mit ihren schroffen, teilweise überhängenden Felswänden aus Buntsandstein.

Namen wie "Napoleonsbuche" oder "Kaisereiche" weisen darauf hin, dass sich unter den Naturdenkmalen oft zahlreiche volkskundlich und historische Zeugnisse befinden. Aber auch in Sagen und Legenden kommt manch einem Naturdenkmal eine besondere Bedeutung zu. Sagenumwobene Naturdenkmale im Saarland sind beispielsweise

  • Der "Teufelsschornstein" bei Saarhölzbach, ein markanter Sandsteinfelsen hoch über dem Tal der Saar gelegen.
  • Die "Gerichtslinde" auf dem Galgenberg bei Michelbach, die eigentlich eine Ulme ist und an deren Stelle sich einst die Richtstätte des Hochgerichts befand.
  • Das "Schlittchen" im Löstertal, ein bizarres Felsenmeer aus gewaltigen Konglomeratblöcke, das bereits von den Kelten und Römern als Steinbruch genutzt wurde.

Leider sind im Laufe der Jahre viele unter Naturschutz gestellte Bäume verloren gegangen. So zählte das Naturdenkmalbuch des Kreises Merzig-Wadern einst über 130 Einträge, heute sind es nur noch 70. Und selbst von diesen 70 sind längst nicht mehr alle vorhanden. Doch selbst wenn ein alter Baum sein natürliches Lebensende erreicht hat oder aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden musste, bietet das liegengelassene Totholz noch die Lebensgrundlage für viele Arten von Tieren und Pflanzen. Daher bleibt von mach einem verlorenen Naturdenkmal immerhin noch eine knorrige Baumruine oder ein verrotteter Baumstamm zurück.

Zieht man bei einer Bestandsaufnahme des Natur-Kulturerbes im Saarland lediglich die inventarisierten und streng geschützten Naturdenkmale der letzten 70 Jahre in Betracht, komm man schon auf annähernd 1000 Einzelobjekte. Selbst diese erstaunlich lange Liste lässt sich noch beliebig erweitern, wenn man den Orten und Dingen die einen umgeben bewusst seine Aufmerksamkeit schenkt. Zu solchen weit weniger bekannten aber nicht minder schönen und oftmals verborgenen Naturschätzen des Saarlandes zählen unter anderem

  • Die Steinrauschen im wilden Hundscheiderbachtal.
  • Der "Urwald" in der Lösterschweiz zwischen Sitzerath und Oberlöstern.
  • Das Buntsandstein-Felsenmeer auf dem Belzet bei Primstal-Mühlfeld.
  • Die Fellenberghöhle und das große Felsdach im Fellenberghain bei Merzig.
  • Zahlreiche tiefe Schluchten und Gräten die unterm anderem Rückzugsgebiete für Schluchtenwälder und seltene Farne sind.
  • Aufgelassene Steinbrüche, die sich im Laufe der Jahre zu wertvollen Biotopen entwickelt haben.

Auch ein Blick über den Tellerrand beziehungsweise über die Grenzen des Saarlandes hinaus lohnt sich. In der direkten Umgebung befinden sich beispielsweise

  • Die über 800 Jahre alte Hexeneiche bei St. Avold, der älteste und wohl bemerkenswerteste noch lebende Baum in der gesamten Region.
  • Der urwüchsige "Tabener Urwald" am "Kaiserweg" zwischen Taben und Mettlach.
  • Die mindestens 500jährige "Marieneiche" bei Hersberg in Luxemburg, deren hohler Stamm als Marienbildstock dient.
  • Die gewaltige Muhleiche bei Börsborn in Rheinland-Pfalz, der dickste Baum des Landkreises Kusel und nach Expertenmeinung die schönste Eiche westlich des Rheins.
  • Die "geheimnisvollen" Mardellen im Fôrret de Sierck westlich von Halstroff.
  • Der Buchsbaumwald "Pällembësch" bei Rettel an der Mosel, eine enge, mit Buchsbäumen bestandene Schlucht im Kalkplateau des lothringischen Schichtstufenlandes.

Bekannte, verborgene und vergessene Naturdenkmale im Saarland

Der Katalog "Bekannte, verborgene und vergessene Naturdenkmale im Saarland" mit zum Großteil unveröffentlichten Fotografien ist zur Zeit in Arbeit. Ausgewählte Fotografien und "making-ofs" werde ich unter dem Tag #naturdenkmal_saarland auf meinem instagram Profil veröffentlichen.